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Weinrebe und Menschen – wie es war und wie es sein wird

Vortrag von Prof. Dr. Peter Nick an der Universität Freiburg
Die Weinreben sind merkwürdige Wesen – selbst heute ist noch nicht klar, wie sie mit den anderen Blütenpflanzen verwandt sind. Sie zählen zu den ersten Kulturpflanzen, die von uns Menschen in Kultur genommen wurden, aber neuere Erkenntnisse legen nahe, dass die besondere Beziehung zwischen Rebe und Menschen schon lange vor Homo sapiens begann. Außer Zweifel steht jedoch, dass Wein eines der ersten globalen Handelsgüter war und so die Ausbreitung neuer Ideen und kulturellen Errungenschaften beförderte, nicht nur in Europa, sondern sogar bis nach Ostasien. Diese Geschichte hat im Erbgut der Weinrebe Spuren hinterlassen, die es zu lesen gilt. Vier Jahre harte Arbeit, Forschungsgruppen aus 16 Ländern, fast 4000 Genome – die Frucht dieser Mühen wurde im März 2023 in Science publiziert. Die Wildrebensammlung am Karlsruher Institut für Technologie spielte dabei eine wichtige Rolle. Es zeigte sich, dass die Weinrebe zweimal unabhängig domestiziert wurde. Einmal im Kaukasus, um daraus Wein zu keltern, ein zweites Mal im Nahen Osten, um sie als Tafeltraube zu nutzen. Bei ihrer Wanderung nach Westen gab es zahlreiche Amouren mit den lokalen Wildreben, woraus die große Vielfalt von Weinreben entstand.
Dieses Projekt brachte Menschen aus 16 Ländern zusammen, trotz teilweise schwieriger politischer Umstände und erlaubt einen tieferen Einblick in die komplexe Geschichte dieser Kulturpflanze, die nicht nur Zivilisationen stiftete, sondern auch als eines der ersten globalen Handelsgüter, die von Geographie, Sprache und Religion gezogenen Grenzen überwand. Der so geschaffene Wissensschatz ist noch nicht einmal angekratzt - während die Weinrebe im Wechselspiel zwischen klimatischen Umbrüchen und menschlicher Wanderung zahlreiche Regionen eroberte, sammelte sie Gene ein, die ihr erlauben mit zahlreichen Widrigkeiten fertig zu werden. Diese Gene können nun dabei helfen, den Weinbau gegen den Klimawandel zu wappnen. Wir haben schon damit begonnen - mit unserem Interreg Oberrhein Projekt Kliwiresse.

Den gesamten Vortrag gibt es als Video: https://www.videoportal.uni-freiburg.de/...

Projekt Microbes 4 Future am KIT

Unsere Arbeiten in DialogProTec konnten zeigen, dass der Ausbruch des klimabedingten Esca-Syndroms auf eine unter Klimastress gestörte chemische Kommunikation zwischen Weinrebe und holzbesiedelnden Pilzen zurückgeht. Zwar konnten wir Wildreben finden, die in der Lage sind, sich gegen Esca & Co zu wehren, aber Rebenzüchtung ist ein langwieriges Geschäft und so viel Zeit lässt uns der Klimawandel nicht mehr. In dem neuen Projekt Microbes 4 Future, einer interdisziplinären Zusammenarbeit am KIT suchen wir nach Alternativen. So wie wir Menschen eine Darmflora haben, die für unser Immunsystem wichtig ist, besitzen Pflanzen in ihrem Wurzelraum ein sorgsam gepflegtes Pflanzenmikrobiom. Kann uns das dabei helfen, selbst unter Klimastress eine gesunde Kommunikation zwischen Rebe und Pilzen zu erhalten und so den Ausbruch des Esca-Syndroms zu verhindern? Als Hebel setzten wir dabei terra preta ein, die wir dem Boden beisetzten.

In einem großen Versuch mit kontrollierten Bedingungen konnten wir zeigen, dass dadurch die Ausprägung der Krankheit stark verbessert wird, was mit einer stärkeren Aktivierung von pflanzlichen Immunitätsgenen einhergeht. Auch das Mikrobiom verändert sich. Inzwischen kennen wir schon Mikroben, die bei Resilienz gegen Esca auftauchen – ob sie die Ursache der Resilienz sind, wissen wir noch nicht. Falls ja, könnte man so eine Therapie gegen Esca entwickeln.
Mehr unter: https://www.jkip.kit.edu/botzell/2938.php

Projekt Microbes 4 Future am KIT

Kliwiresse Projekttreffen am 30.11.2023

Das diesmalige Projekttreffen von Kliwiresse fand am Julius-Kühn-Institut (JKI) für Rebenzüchtung in Siebeldingen statt. Es waren wieder alle Partner dabei und stellten die neuesten Ergebnisse aus den Versuchskampagnen der diesjährigen Vegetationsperiode vor. Die von KIT und IBMP gemeinsam durchgeführten Untersuchungen zum Verhalten von Riesling und der Wildrebe Hördt 29 unter Hitzestress zeigten, dass beide Reben zunächst versuchen über Öffnung der Stomata und Steigerung der Transpiration die Blatt-Temperatur zu senken. Während die Wildrebe jedoch nach einem Tag die Spaltöffnungen schon wieder völlig schließen kann, vermutlich weil die nun gebildeten Hitzeschockproteine den Stress abfangen können, muss der Riesling seine Spaltöffnungen immer noch geöffnet halten, wodurch er natürlich deutlich mehr Wasser verliert. Auch bei den Sonnenbrandversuchen an der Phänotypisierungsplattform des JKI schneidet diese Wildrebe sehr gut ab, ebenso wie bei den Stressversuchen mit automatisierter Mikroskopie bei ScreenSYS. Die am IBMP identifizierten Anzeiger für Stress-Erinnerung zeigen ebenfalls, dass Hördt 29 mit Hitzestress besser zurecht kommt. Die Tatsache, dass sehr unterschiedliche Versuchsansätze und Methoden zu einem übereinstimmenden Bild führen, belegt, dass die im Projekt verfolgte Strategie, Stress auf sehr unterschiedlichen Ebenen zu betrachten, zum Erfolg führt. Im nächsten Schritt geht es darum, die im Labor gewonnenen Ergebnisse im Weinberg zu überprüfen - wo man die Bedingungen, anders als im Experiment, nicht kontrollieren kann. Hier hat FiBL Frick die Wirkung von einem neuen Pflanzenstärkungspräparat überprüft und vergleichend verschiedene PiWi-Reben untersucht. Dabei zeigen sich deutliche Unterschiede.
Da man das Geschehen im Weinberg nicht kontrollieren, sondern nur in Rückschau vergleichend bewerten kann, wurden am KIT zwei neue Ansätze entwickelt, die in der kommenden Saison dann breit eingesetzt werden - zum einen lässt sich über die Bestimmung stabiler Kohlenstoff-Isotope erschließen, wie oft eine Pflanze während des Sommers ihre Stomata öffnen oder schließen muss, hier wurden über 30 Wildreben und Unterlagssorten vergleichend untersucht, die sich deutlich unterscheiden. Dies wird dann an der Unterlagensammlung des FiBL im kommenden Jahr geprüft werden. Zum anderen konnte ein Blattscheibentest entwickelt werden, mit dem man zeit- und raumsparend eine große Zahl von Rebsorten auf ihre Hitzetoleranz prüfen kann. Die Ergebnisse zeigen gute Übereinstimmungen mit den anderen im Projekt eingesetzten Testverfahren. Ein für die Praxis wichtiges Ergebnis ist, dass die Sorte Chardonnay in puncto Hitzestress sehr gut abschneidet und möglicherweise in den nächsten Jahrzehnten an die Stelle des sehr klimaempfindlichen Riesling treten könnte. Bei der Entwicklung der Doppelhaploidisierung konnte von ScreenSYS, auch dank der Unterstützung des assoziierten Partners WBI, ein standardisiertes Verfahren entwickelt werden, womit man schon einmal frühe Embryonalstadien erreicht. Es wurde ein Verfahren entwickelt, womit auch während der Wintermonate regelmäßig Blüten im richtigen Stadium erzeugt werden können, so dass das Verfahren weiter optimiert werden kann. Für die Vegetationsperiode 2024 wurden gemeinsame Versuchen von KIT, FiBL, IBMP und JKI detailliert geplant und die weiteren Schritte bei Wissenstransfer und Öffentlichkeitsarbeit wurden abgestimmt.

Weinrebe und Menschen - wie es war, wie es sein wird

Öffentlicher Vortrag, Samstagsuni, Freiburg 28.10.2023, 11 Uhr c.t., HS 1010, KG1:
https://www.studiumgenerale.uni-freiburg.de/sg/sa-uni

Klimawandel und Bodenversalzung - Wilder Wein wehrt sich.

Pressemeldung des KIT:
https://www.kit.edu/kit/pi_2023_064_bodenversalzung-wilder-wein-wehrt-sich.php
Weinlaub

KliWiReSSe-Newsletter #3


Newsletter3

07.07.2023: Projekttreffen

Beim regulären Projekttreffen von Kliwiresse am FiBL Frick wurden die neuesten Ergebnisse vorgestellt und ausgetauscht und die Kooperationsaktivitäten der Partner für die laufende Vegetationsperiode abgestimmt. Für die Doppelhaploidisierung (ScreenSYS) konnte eine kontinuierliche Bereitstellung von biologischem Material (ungeöffnete Blüten in einem bestimmten Stadium) auch über die Winterperiode hinweg sichergestellt werden. Das am KIT laufende Hitzestress-Experiment wird durch Untersuchung der metabolischen Signatur am IBMP unterstützt, hierzu wird Paula Venzke vom KIT für einige Wochen am IBMP arbeiten. Die Sonnenbrand-Phänotypisierungs-Plattform am JKI wurde vorgestellt. Hier werden neben der am JKI etablierten Kreuzungspopulation von PiWi-Reben auch die Kreuzungspopulation mit der hitzeresistenten Wildrebe Hördt 29 analysiert. Die Proben werden dann zur Hormonanalytik ans IBMP geschickt. Weiterhin wurden für die Vegetationsperiode 2024 gemeinsame Versuchen von KIT, FiBL und JKI hinsichtlich der Analyse verschiedener Unterlagsreben vorgeplant. Auch die weiteren Schritte bei Wissenstransfer und Öffentlichkeitsarbeit wurden abgestimmt.

Veranstaltung "Wein - Klima - zusammen schaffen wir das"

Am 13. Juni, 14-17 Uhr findet am Weincampus Neustadt die Veranstaltung "Wein - Klima - zusammen schaffen wir das" statt. Nach einer Einführung zum Thema Weinbau in Zeiten des Klimawandels gibt es die Möglichkeit, sich grenzüberschreitend über Probleme und deren Lösung auszutauschen. Die Veranstaltung ist kostenfrei.

KliWiReSSe-Newsletter #2


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KliWiReSSe-Newsletter #1


Newsletter1

KIT-Presseinformation 007/2023

Entschlüsselung der Wildrebengenome bietet Einblicke in die Geschichte des Weinbaus.

KIT-Presseinformation 007/2023

Professor Nick im Weinberg
Foto Trauben der Wildrebe, Tafeltrauben und Weintrauben
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